hortus conclusus XXXVIII

Studentenprojekt des 4. Semesters Szenografie

Den Garten als Bühne begreifen, im Prozess arbeiten, das Leben als Welttheater im Barock und Heute, wo könnte man das besser als auf einem abgestecktem Areal wie dem Schrebergarten?

 

Die Idee entstand letzten Sommer, es war heiß, die Szenografiestudenten des zweiten Semesters saßen in der stickigen FH und träumten von frischer Luft und Sonne. „Wie wäre es, wenn wir als nächstes Sommerprojekt uns einfach einen Schrebergarten zusammen mieten, in dem man in der Wiese liegen, grillen, in der Erde graben oder einfach kreativ sein kann?!“ Förs (Szenografiestudentin) Vorschlag stößt auf große Zustimmung und so beginnt ein langer Weg durch die Bürokratie, bei dem sich Professor Colin Walker für seine Studenten stark gemacht hat. 
In dem Studiengang Szenografie wird nach neuen Räumen gesucht, es geht um das Umsetzen von einer literarischen Aussage in den Raum. Normalerweise brüten Szenografen in abgedunkelten Räumen über Bühnenmodellen oder verwirklichen diese fern vom Tageslicht auf der Studiobühne. Doch Räume erschaffen kann man auch draußen und so geht’s diesmal ab an die Sonne.
Bei dem Projekt beteiligt sind sechs Szenografiestudenten des vierten Semesters, vor ihnen liegt ein 700 qm großes Areal, das bearbeitet sein will. Der Garten gehört zu der Kleingartenanlage Hasselfeld und liegt auf einer sanften Anhöhe hinter Ahlem. 
Ein betonierter Weg teilt den Garten in zwei Hälften. Auf der einen Seite befinden sich ein kleiner Geräteschuppen, ein Teich und zwei Betonplatten um das sich eine Buchenhecke schlängelt, auf der anderen Seite erstreckt sich ein Acker. Diese Achsensymmetrie kommt einem Barockkonzept sehr gelegen. „Es geht nicht darum, aus dem Areal einen Barockgarten zu machen, sondern darum die Rätselhaftigkeit jener Zeit in der Emblematik zu Zeigen und sich mit dem Damals gegenüber dem Heute installativ auseinander zusetzen.“ erklärt Maggi. 
Gemeinsam erstellen sie ein Gartenkonzept. Die Symmetrie spielt im Barock eine elementare Rolle. Wie lässt sich das umsetzen ohne Platt und langweilig zu erscheinen? Es wird mit den vorhandenen Motiven gearbeitet, gespiegelt und gegenüber gesetzt. 
Jeder geht ganz anders an das Thema ran. Der eine erliest sich erst so einiges über die Epoche, andere arbeiten mit Bildmaterial aus damaliger Zeit oder setzen sich mit zeitgenössischen Künstlern auseinander, die sich wiederum in irgendeiner Form mit dem Thema beschäftigt haben. Alles in allem sind sie der Rätselhaftigkeit auf der Spur und entdecken sie vielleicht im vergolden des Pissoirs, in geheimen Symbolen, hinterleuchtet in einer Grube, oder im Heckenfernseher.
Schön ist die intensive Zusammenarbeit, die einen auf ganz neue Ideen bringen kann. „Wir merken, dass sich dieses Projekt nicht in feste Zeiten pressen lässt, sondern einfach wetterabhängig ist, das heißt immer wieder kurzfristig Termine vereinbart werden müssen. Ein sonniger Sonntag kann genauso produktiv sein, wie ein Donnerstagvormittag.“ stellt Simon fest. Die Stundenten sind den Jahreszeiten mit Kirschbaumblüte und Blütenregen, und Wind und Wetter ausgesetzt. 
Schwierig ist, auf so vielen Ebenen gleichzeitig zu agieren; Es muss gepflanzt werden, gegossen, wenn es heiß ist, künstlerisch weitergedacht werden, technisch umgesetzt, organisiert und der Rasen muss auch mal gemäht werden laut Kleingartenvereinsordnung. 
Ziel ist eine Performance im Juli, bei der über das Gartenkonzept, die verschiedenen Installationen und ein riesiges Festgelage ein neuer Blick auf das Zeitalter des Barock geschaffen werden soll. Die Arbeit steht in Kooperation mit der Abteilung Kostüm und Schauspiel. Im Garten soll eine Brücke zwischen Ausstellung und szenischen Arbeiten geschlagen werden.